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Wechseljahre oder Schilddrüse oder beides?

Müde, niedergeschlagen, erschöpft und aufgeschwemmt fühlte sich meine Patientin Christine W. (45). Wechseljahre, dachte sie, aber bei genauem Hinsehen, entpuppten sich diese Symptome als Schilddrüsenunterfunktion. Gerade in Zeiten des hormonellen Umbruchs, wird ein Schilddrüsenproblem häufig nicht erkannt. Wechseljahres- und Schilddrüsenbeschwerden können sich ähnlich anfühlen, sich sogar verstärken oder überlagern. Eine andere Patientin Stefanie (48) litt unter Haarausfall, Zyklusunregelmäßigkeiten, Schlafstörungen, Herzrasen, innere Unruhe, manchmal schwitzte sie oder hatte Angstattacken. Hier trat der Einsatz der Wechseljahre und eine Überfunktion der Schilddrüse gleichzeitig ein. Als Therapie bot sich für die Schilddrüsenunterfunktion eine Schilddrüsenhormontherapie an. Bei der Schilddrüsenüberfunktion musste die Schilddrüsenhormonproduktion gedrosselt werden, gleichzeitig aber eine individuelle Hormontherapie mit Gelbkörperhormon (Progesteron) und niedrig dosierten Östrogen eingeleitet werden

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Regina Kroll (Freitag, 20 April 2018 21:49)

    Guten Tag, Frau Dr. Reiss!
    Ich habe folgendes Problem und würde mich sehr über eine Stellungnahme bzw. einen Rat freuen. Seit etwa einem halben Jahr leide ich unter Haarausfall. Da ich 51 Jahre alt bin, hatte ich natürlich sofort die Wechseljahre in Verdacht. Meine Gynäkologin hatte mir Östrogen und Progesteron verschrieben. Doch der Spuk will trotz der Hormone so gar nicht aufhören. Ich habe Ihren Artikel deshalb mit großem Interesse gelesen und frage mich nun, ob ich vlt. etwas mit der Schilddrüse habe. Ist das möglich????? Und wenn ja, wie kann ich gegensteuert?


  • #2

    Susanne Jürges (Freitag, 20 April 2018 21:57)

    Liebe Frau Dr. Reiss,
    ich bin zwar erst 34 Jahre alt und deshalb noch kein Wechseljahres-Kandidat, bzw. brauche ich noch keine zusätzlichen Hormone - Ihr Beitrag bzgl Schilddrüse hat mich aber sehr interessiert. Ich versuche nämlich seit zwei Jahren schwanger zu werden. Mit meinen Hormonen stimmt laut Frauenarzt alles. Kann es eigentlich auch an der Schilddrüse liegen, dass es mit dem Kinderwunsch einfach nicht klappen will?

  • #3

    Dr. Jutta Reiss (Montag, 23 April 2018 19:11)

    Liebe Frau Jürges,
    Sie sollten in jedem Fall Ihre Schilddrüsenhormone bestimmen lassen, ggf. eine Ultraschalluntersuchung anschließen. Sowohl bei einer Überfunktion als auch bei einer Unterfunktion der Schilddrüse kann es zu Störungen der Eizellreifung und des Zyklus kommen. Betroffene Frauen werden seltener schwanger, und in den ersten Schwangerschaftsmonaten ist auch das Risiko einer Fehlgeburt erhöht.

  • #4

    Dr. Jutta Reiss (Mittwoch, 25 April 2018 15:40)

    Hallo Frau Kroll,
    Jetzt hätte ich fast vergessen, Ihnen zu antworten. Zu Ihrer Frage betreff Haarausfall: Neben dem Östrogenabfall in den Wechseljahren kann in der Tat auch eine Unterfunktion der Schilddrüse für vermehrten Haarverlust verantwortlich sein. Checken Sie Ihren Hormonstatus diesbezüglich. Außerdem empfehle ich den Vitamin D- Spiegel und Eisenhaushalt zu überprüfen.

  • #5

    Kathrin Kreinach (Mittwoch, 25 April 2018 22:23)

    Liebe Frau Dr. Reiss,
    ich leide schon länger an einer Schilddrüsenüberfunktion, habe sie aber mithilfe von Medikamenten einigermaßen gut im Griff. Jetzt bin ich aber in die Wechseljahre gekommen, was mich zusätzlich ständig in einen unangenehmen Unruhezustand versetzt, von den Schweißausbrüchen mal ganz abgesehen. Ich würde gerne Hormone nehmen, habe aber auch ein wenig Angst davor. Könnten Sie mir bitte einmal erklären, was genau eigentlich bioidentische Hormone sind? Sind sie harmloser, ungefährlicher? Kann ich sie unbesorgt nehmen? Ich freue mich auf Ihre Antwort.

  • #6

    Dr. Jutta Reiss (Mittwoch, 02 Mai 2018 17:28)

    Liebe Frau Kreinach,
    Bioidentische Hormone sind strukturell und funktionell identisch mit den körpereigenen Hormonen. Sie werden aus der Yamswurzel oder Soja hergestellt. Im Gegensatz zu den synthetischen Hormonen erfolgt ihre Verstoffwechselung im Körper nicht über "körperfremde" Abbauprodukte, sondern über dem Körper bekannte Abbauprodukte, deren Wirkung man kennt. Synthetische Hormone dagegen sind in ihrer Struktur frei wählbar, so dass körperfremde Abbauprodukte und ggf. toxische Metabolite entstehen können. In Hinblick darauf haben die bioidentischen Hormone einen großen Vorteil. Auch ihre individuelle Dosierbarkeit ist sehr wertvoll. Trotzdem ist darauf aufmerksam zu machen , daß auch bioidentische Hormone Arzneimittel sind, die nur unter ärztlicher Kontrolle individuell dosiert verordnet und eingesetzt werden sollten. Ein falscher Einsatz von Hormonen kann gefährlich sein.